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Concerto Festplatte

Ein jeder kann es, wenn er denn möchte. In Zeiten von Cubase, Reason oder Logic Audio, um nur ein paar der bekanntesten Musik-Produktionsprogramme für den Computer zu nennen, ist es ein wahres Kinderspiel, sich z.B. ein komplettes virtuelles Orchester zur persönlichen Verfügung ins Wohnzimmer zu delegieren. Ein paar Mausklicks genügen, um ganze Streicher- und Bläsersätze nebst Violinenwunderkind erklingen zu lassen. Fehlende Musikalität oder unübliches Taktverständnis beim Freizeitkomponisten werden durch das Betätigen einiger Buttons ausglichen.

Die Kehrseite der Medaille dieses kinderleichten Zugangs zum Musikerdasein offenbart sich aber ebenso schnell beim Blick ins Internet. Audiophone Kunstwerke en masse werden dort feilgeboten, klanglich oftmals auf perfektem Niveau. Das Elitäre am Musikerdasein ist wohl endgültig dahin. Um in der Masse der Computer-Musiker dieser Tage noch aufzufallen, bedarf es deshalb schon einer ausgefallenen Präsentation oder eines besonderen Konzepts. Das Berliner Laptoporchester überzeugt bei letzterem in außergewöhnlichem Maße.

Die zentrale Idee des Orchester kehrt die oben beschriebene Entwicklung zur kinderleichten, weil computergestützen Musikkomposition wieder um. Obgleich hier zwar auch, wie der Name schon vermuten lässt, mit Laptops musiziert wird, spielt das Zusammenwirken von mehreren Menschen die wichtigste Rolle. Läßt der eine faserige Loops in Moll erklingen, muss der nächste dazu die passende Basslinie generieren, muss der Dritte bei seinem raumnehmenden Synthie-Teppich vielleicht sogar die Tonart wechseln. Der monotonen Perfektion des Computers wird durch humanoide Interaktion Einhalt geboten. Improvisation erhält Spielraum, das Unvorhersehbare und die Spannung kehren in die elektronische Musik zurück. Ein Laptop-Konzert wird wahrhaftig zum Live-Event, bei dem am Anfang eines jeden Tracks das Ende noch nicht zu erahnen ist.

Matthias Puppe, Leipziger Volkszeitung, 08.Juni 2006 (Artikel wurde gekürzt)